“Martha” ist weg

Das Foto entstand kurz vor dem Abriss der Gaststätte Hellbach, nachdem bereits das Dach abgehoben war. Auf dem Dachboden stand noch eine alte Wäschemangel, wie man beim genauen Hinsehen erkennen kann.

Im März 2016 ging eine lange Wirtshausgeschichte in Mechterstädt zu Ende: Bei “Martha” wird nun niemand mehr einkehren. Als letzte Gäste packten die Taubenzüchter ihre Koffer und gaben das Haus frei. Nach Informationen der Gemeinde war der Unterhalt des (nicht denkmalgeschützten) Gebäudes wirtschaftlich nicht mehr zu vertreten. Da sich auch kein Zukunftskonzept fand, wurde es abgerissen.

So manchem Einwohner mag wohl ein wenig das Herz geblutet haben, sind doch mit dem Haus viele Erinnerungen an die Wirtsleute Martha und Karl Hellbach verknüpft. Wer zum Bahnhof musste oder von dort von der Arbeit heimkehrte, kam so manches Mal an “Martha” nicht vorbei. Martha, die gute Seele, hatte immer eine Bockwurst im Topf, und wem das Bier zu kalt war, der bekam es per Tauchsieder gewärmt. Martha Hellbachs Spezialgericht waren Rabbanchen von der Lunge. Davon hatte sie öfter einen großen Topf voll stehen, der schon bald leer war. Sperrzeit gab es praktisch nicht bei Martha. Entweder es war offen, oder es war zu. So manche Nacht wurde auch durchgemacht, beispielsweise beim Würfeln mit Tuben-Franz. Martha schlief dann schon mal eine Runde, war jedoch auch schnell wieder auf den Beinen, wenn nötig. Junge, trinkfeste Mechterstädter spielten gern “U-Boot” bei Martha. Dazu stellte jeder Zecher ein Glas ins Spülbecken und füllte es mit Wasser. Nun wurde immer ein wenig Wasser reingegeben, stets aber nur soviel, dass das Glas noch schwamm. Wessen Glas wegen eines Tröpfchens zuviel unterging, der hatte verloren und musste eine Runde ausgeben.

Martha, die Wirtin, haben die Mechterstädter nicht vergessen. Im Alter zog sie zu ihrer Tochter nach Berlin und ist dort von Irmi und deren Ehemann bis an ihr Lebensende vor einigen Jahren liebevoll gepflegt worden. Machs gut, “Martha”.

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