Ausstellung

Auszug aus dem Titelbild des Ausstellungskatalogs.

“Das Massaker von Mechterstädt 1920″ ist  Titel einer Ausstellung, die das erschreckende Kapitel eines Massenmordes an Arbeitern aus dem benachbarten Thal während der Zeit des Kapp-Putsches im vergangenen Jahrhundert aus heutiger Sicht beleuchtet. Konzipiert von Prof. Bruno W. Reimann aus Gießen kommt sie im Oktober an den historischen  Schauplatz des Gemetzels – nach Mechterstädt. Hier wurden die Männer  in der Mehrzahl an der Landstraße nach Gotha erschossen. Bis heute erinnert ein Gedenkstein schräg gegenüber dem Friedhof an die ungesühnte Schandtat.
Gegenstand der von Bruno W. Reimann konzipierten Ausstellung ist das nunmehr 96 Jahre zurückliegende  Ereignis des Erschießens von 15 gefangen genommenen Arbeitern am 25. März 1920 in Mechterstädt  durch Mitglieder des „Studentenkorps Marburg“ (StuKoMa).
Im Herbst des Jahres zuvor waren in Marburg wie auch anderswo vom SPD-Reichswehrminister Gustav Noske studentische „Zeitfreiwilligenkompanien“ als Einheiten der Reichswehr gegründet worden. Die SPD-Reichsregierung wollte sich militärisch gegen Arbeiterunruhen wappnen.
Fünfzehn im Kontext der Arbeiterunruhen nach dem Kapp-Putsch gefangen genommene Arbeiter sollten am Morgen des 25. März 1920 von Sättelstedt nach Gotha transportiert werden. Alle 15 wurden erschossen. In der Lesart des “StuKoMa“ und derer, die ihm beisprangen, hieß es: „Auf der Flucht erschossen!“ Angesichts der Umstände gibt es heute keine Zweifel mehr daran, dass es sich um einen kalt kalkulierten Mordakt handelte, der von der Reichswehr, der Universität, dem konservativen Bürgertum, den konservativen Parteien, schließlich auch von der Justiz gedeckt wurde. All dies wirft ein Schlaglicht auf die Gesellschaft, in der dies möglich war.
Erschütternd war und bleibt die Brutalität des „Marburger Studentencorps“. Alle getöteten Arbeiter waren schrecklich verstümmelt worden. Viele wiesen zertrümmerte Schädel auf. Das alles deutet auf gezielte Schüsse, auf ein Massaker hin.
Im Kapp-Putsch vom März 1920 versuchten Teile der Reichswehr, angeführt vom Vorsitzenden der rechtsextremen Deutschen Vaterlandspartei Wolfgang Kapp (1858-1922) und unterstützt von der politischen Rechten, der jungen deutschen Demokratie den Garaus zu machen. Am 13. März 1920 besetzte die Marinebrigade Ehrhardt das Berliner Regierungsviertel. Auch in Thüringen schlossen sich Teile der Reichswehr den Putschisten an. In der Folge kam es zum Generalstreik der Gewerkschaften, zum bewaffneten Widerstand der Arbeiterschaft und auch zum Aufleben der politisch radikalisierten Arbeiterbewegung besonders im Ruhrgebiet und in Thüringen. Ein Zentrum nicht nur des Widerstands, sondern auch der revolutionären Arbeiterbewegung war Gotha.
Vor diesem Hintergrund entsandte die SPD-Regierung die bereits 1919 gebildete Marburger „Zeitfreiwilligenkompanie“ nach Thüringen, die dort für „Ruhe und Ordnung“ sorgen und insbesondere die Arbeiterunruhen bekämpfen sollte. Sie bediente sich rechter Brigaden, um linke Arbeiteraufstände militärisch niederschlagen zu lassen.
Die Bluttat im Kontext der politischen Ereignisse hat Prof. Bruno W. Reimann auf 28 reich bebilderten Tafeln zusammengefasst und dargestellt, die nun in Mechterstädt aufgestellt werden. Bürger der Landgemeinde Hörsel sind herzlich eingeladen zur Exkursion in die Geschichte ihrer Region.
Die Ausstellung ist ein Projekt, das in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen entstand.  Sie steht unter der Schirmherrschaft von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der sie am Eröffnungstag besuchen will. Sie wird am Freitag, 21. Oktober, 14 Uhr im Bürgersaal “Zum Prinzen Albert” eröffnet und kann bis Sonntag, 23. Oktober, besichtigt werden.  Freitag ist sie bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Am Sonntag will Prof. Reimann den ganzen Tag in Mechterstädt präsent sein und steht Interessenten zum Beantworten von Fragen zur Verfügung.
Bevor die Ausstellung nach Mechterstädt kam, war sie bereits in Gotha und Eisenach zu sehen. Im neuen Jahr soll sie im Marburger Rathaus aufgebaut werden.

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