Die Geschichte vom Würmchen

Liebe Kinder, liebe Erwachsene.

Die Adventszeit ist ja immer (meistens, na gut) eine Zeit für Geschichten. Dabei ertappen wir Große uns auch mal dabei, dass wir doch viel lieber wieder die Kleinen wären , damit wir in Ruhe “Zwei Haselnüsse für Aschenbrödel” anschauen können anstatt Kartoffeln schälen zu müssen. Hier nun für alle, die einmal fünf Minuten ruhige Lesezeit in der Adventshektik gebrauchen können, eine kleine Familiengeschichte, die einen wahren Hintergrund hat und einen alten Zungenbrecher-Schüttelreim wiederbelebt, den ältere Mechterstädter vielleicht noch kennen.

Es war einmal ein kleiner Junge aus der Rheinpfalz, der lebt noch heute dort, wo einst der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl groß geworden ist. Die Mutter des Buben – nennen wir ihn Franz – stammte aus Gotha. Deswegen war der kleine Franz  in seiner Kindheit oft in Gotha und Erfurt zu Besuch. Immer, wenn er mit seiner Mutter während der Bahnfahrt an Sättelstädt gen Mechterstädt vorbeifuhr, kramte sie ein kleines Gedicht aus ihrem Thüringer Herzen und trug es dem Jungen vor. Dem gefiel das sehr. Doch, wie ging es gleich? Heute, als erwachsener Mann, erinnert sich der “große Franz” nur noch daran, dass es irgendetwas mit einem “Mechterstädter Türmchen und einem Würmchen” zu tun hatte. Per Mail an unsere Internetseite bat er darum, einmal nachzuforschen, was es mit dem Gedicht auf sich hat.

Und siehe da, eine Mechterstädterin wusste etwas. Frau Kobe von der Reihe, die viele Jahre als Kindergärtnerin arbeitete und schon lange in Rente ist, erinnerte sich. Die alte Dame, geistig voll fit, sagt, es gab da einen Kinderreim, den ihr die Großeltern vorsagten. Und der geht so:

“Auf dem Mechterstädter Türmchen

sitzt ein Würmchen mit dem Schirmchen.

Kommt ein Stürmchen,

wirft das Würmchen

mit dem Schirmchen

von dem Mechterstädter Türmchen.”

Möglich, dass der kleine Schüttelreim noch mehr Strophen hatte. Vielleicht wissen ja einige ältere Mechterstädter mehr? Vielleicht sitzen sie im Advent mit ihren kleinen Kindern oder Enkeln zusammen und erzählen ihnen von dem Würmchen, dem Stürmchen und dem Mechterstädter Türmchen. Der “große Franz” jedenfalls freute sich darüber, dass er nun den Schüttelreim-Zungenbrecher wieder aufsagen kann – eine kleine Erinnerung an die Mutter und die Bahnfahrten nach Thüringen.

P.S.: Nun kommt der Nachtrag. Leider ist die Geschichte mit dem Würmchen nichts original Mechterstädterisches. Menschen in Bayern, Hessen, in Berlin-Charlottenburg und wer weiß noch woanders schmücken ihre Sprache mit dem kleinen Schüttelreim. Denn jeder Ort hat meistens ein Türmchen, auf den sich ein Würmchen verirrt haben könnte. Macht aber nix. Hauptsache, die Kinder brechen sich beim Aufsagen nicht die Zunge.

Das Türmchen unserer Marienkirche blickt dieses Jahr auf eine 300-jährige Geschichte zurück. Vielleicht sitzt ja gerade ein Würmchen darauf und schaut auf das adventliche Treiben der Kleinen und Großen.

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