Hilfsbereite Kinder

Kinder können nur noch Handy und sind Computerfreaks!  Mag manchmal stimmen. Sie können aber auch anders. Wie dieser Tage geschehen – eine kleine Alltagsgeschichte aus Mechterstädt:

Es war wieder einmal der “Tag des gelben Sacks”. Da ich den Müllmännern nicht viel mehr als einen halb gefüllten Beutel zu bieten hatte, ließ ich ihn, wo er war. Hatte also nichts zum  Bereitstellen. Der Abholtag war windig – nein, eher stürmisch. Wer seinen gelben Sack nicht gut gesichert hatte, dem konnte er schon mal wie der kleine Robert bei Wilhelm Busch davon fliegen. Oder er konnte sich öffnen und den Inhalt über die Gasse verteilen. Das war wohl in Mechterstädts Mitte passiert. Der Inhalt mindestens eines gelben Sackes wirbelte über den Gehsteig und sammelte sich in Haus- und Hofecken. Auch bei mir. Den ganzen Morgen las ich die leeren Verpackungen auf, die sich auf dem Grundstück einfanden und entsorgte sie – im gelben Sack. Ein Großteil davon lag jedoch den kompletten Vormittag lang auf dem Gehweg. Bis zum Mittag. Da sich Müll wie dieser erfahrungsgemäß nicht allein entsorgt, machte ich mich daran, die Reste  aufzulesen und trat aus dem Haus. Mir kamen zwei Mädchen entgegen – und siehe da. Nix mit Handy. Sie bückten sich und lasen Stück für Stück der zum Teil ekligen Verpackungen auf. Sie vergaßen nichts – waren recht gründlich. Und als sie sahen, dass ich auch sammele, kamen sie auf mich zu – und gemeinsam reinigten wir den Weg. Der Müll wurde in einem gelben Sack bei mir entsorgt. Der Gehsteig war wieder sauber.

Die beiden aufmerksamen Mädchen heißen Melanie und Kira. Auf meine Bemerkung, dass es schön sei, solche hilfsbereiten Kinder im Dorf zu haben, meinten sie – sie seien auch “sehr sozial” eingestellt. Und dazu gehört es, sich einmal nach Unrat zu bücken.

Stimmt also. Es gibt sie noch – die hilfsbereiten Kinder. Die sich bücken und Schmutz entfernen, den sie selbst nicht selbst gemacht haben. Wollte ich nur einmal so erwähnt wissen.

Ach: Am Ende des Tages hatte ich zwei gefüllte gelbe Säcke. Die Müllabfuhr war durch. Müssen sie nun auf den nächsten Termin warten.

(Aufgeschrieben von Rita Specht)

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