Unsere Ehrenbürger

Unsere Gemeinde hat zwei Ehrenbürger: Dr. Edgar Jannott und Ewald Schünemann. Sie haben sich in besonderer Weise um Mechterstädt verdient gemacht und genießen deshalb Achtung und Respekt für ihre Leistungen.

Edgar Jannott Bildquelle: Victoria-Versicherung

Dr. Edgar Jannott war im Februar 1990 nach dem Fall der Mauer  zu Besuch in seiner Geburtsstadt Gotha, als ihn auf der Heimreise nach Düsseldorf  der Hunger plagte.  Er stoppte in Mechterstädt an einem provisorischen Bratwurststand mit einem  Plakat, auf dem stand: “Liebe Westdeutsche, wir haben zwar kein Begrüßungsgeld für Euch, aber eine echte Thüringer Bratwurst.”. Beim Genuss derselben machte der Versicherungsmann Bekanntschaft mit Vertretern des gastfreudigen Völkchens an der Hörsel – und aus der Freundschaft “auf den ersten Biss” wurde eine, die bis heute hält. Zurück in Düsseldorf gründete Edgar Jannott den Verein “Victorianer Helfen”, der viele Hilfsprojekte auf die Beine stellte, unter anderem für die Kirche, die Schule, den Sport und die Rentner. Zeugnisse dieses segensreichen Wirkens kann man bis heute besichtigen. Aus Dankbarkeit für die von Edgar Jannott initiierte Hilfe vieler Düsseldorfer Versicherungsmitarbeiter nannte sich u. a. der Sportverein “Traktor Mechterstädt” in “Victoria” um. Am 8. Januar 1992, genau zwei Jahre nach seinem ersten Besuch mit Bratwurst-Stopp in Mechterstädt, wurde Edgar Jannott anlässlich der Einweihung des Seniorenclubs “Victoria” zum Ehrenbürger von Mechterstädt ernannt. In Gotha, wo er sich ebenfalls engagierte, wurde ihm die Ehrenbürgerwürde 2006 zuteil.

Biografische Angaben: Der am 17.November 1934 in Gotha geborene Edgar Jannott reiste 1948 mit seinen Eltern aus Thüringen aus und siedelte sich in Göttingen an. Dort und in Tübingen studierte er Jura. Edgar Jannott wurde  1983 zum Vorstandsvorsitzenden und Generaldirektor der Victoria-Gesellschaften berufen. Er gestaltete in den Folgejahren die Umstrukturierung der Victoria zu einer Holding mit. 1997 fusionierten Victoria, DKV, Hamburg-Mannheimer und D.A.S. zur Versicherungsgruppe Ergo, mit der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft als Hauptaktionär. In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender hat Jannott die Größe des Unternehmens verzehnfacht und mit der Gründung der Ergo Düsseldorf zum fünftgrößten Versicherungsstandort Deutschlands ausgebaut  Nach der friedlichen Revolution in der DDR war es ihm eine Herzensangelegenheit, den Neuanfang der Victoria in seiner alten Heimat mitzugestalten. 1999 trat er in den Ruhestand, ist seinem Unternehmen aber weiterhin als Ehrenvorstandsmitglied verbunden. 2015 wurde unser Ehrenbürger mit dem Großen Ehrenring der Stadt Düsseldorf für seine Verdienste um die Kultur der Wirtschaftsmetropole in Nordrhein-Westfalen geehrt.

Edgar Jannott ist seit 1961 verheiratet und hat drei Kinder.

Ewald Schünemann. Foto: Privat

Wer über die jüngere Geschichte des Sports in Mechterstädt spricht, der kommt an Ewald Schünemann nicht vorbei. Der Lehrer,  Übungsleiter, Trainer und Sportenthusiast hat es geschafft, dass unsere kleine Gemeinde jahrzehntelang mit Sportlerinnen und Sportlern in den Ergebnislisten mit Plätzen bis in den Spitzen des Landes auftauchte.
Auf dem Sportplatz unseres Dorfes hat er wohl die Hälfte seines Lebens verbracht. Mit seinem Engagement prägte er Generationen von Kindern und Jugendlichen, von denen viele nun ihrerseits wieder das Gelernte an ihre Kinder weitergeben. Dabei war es ihm gar nicht in die Wiege gelegt, dem Sport zu verfallen. Und eigentlich wollte er beruflich auch mal etwas ganz anderes machen.
Ewald Schünemann wurde am 23. Februar 1933 im kleinen Ort Rußhagen in Hinterpommern geboren. Dort besuchte er sechs Jahre lang die Landschule.Nach dem Krieg, 1947, wurde er mit seiner Familie aus dem  Heimatort ausgewiesen.  Nächste Lebensstation war das thüringische Bad Blankenburg, wo sich eine Landessportschule befand. Wie es der Zufall wollte, wohnte Ewald Schünemann eine zeitlang darin.
Von einer Erkrankung 1947/48 wieder genesen, entschloss er sich, Buchbinder zu werden. Er absolvierte von 1948 bis 1951 eine entsprechende Lehre und erlangte den Gesellenbrief.  Nach einem Jahr im Beruf bewarb er sich in Leipzig für ein Studium zum Kunstbuchbinder. Dafür wurde er jedoch nicht angenommen. Zur gleichen Zeit suchte man im Land Lehrer. Ewald Schünemann zeigte Interesse und absolvierte von 1952 bis 1954 in Erfurt ein Unterstufenstudium, das er mit dem Examen abschloss. Bevor er jedoch unterrichten durfte, schickte man den Junglehrer in die Heimerziehung. Für zwei Jahre ging er zunächst an die Klostermühle nach Waltershausen.
Danach sollte er seinen Schuldienst eigentlich in Wandersleben beginnen, doch Schulleiter Arno Schlothauer, mit dem er bekannt war, holte ihn 1956 nach Mechterstädt, wo er am 1. September seinen Dienst antrat. 40 Jahre lang unterrichtete er hier Jahrgänge von Kindern in den Fächern Sport und Deusch – zum Sportfach befähigte ihn ein Fernstudium, das er zwischen 1958 und 1961 in Potsdam absolvierte. Deutsch studierte er noch einmal bei einem Kurs in Erfurt.
Dass Mechterstädt seinen Sportplatz bekam, ist weitgehend Verdienst von Ewald Schünemann. 1960 wurde der Platz an der Hörsel mit Laufbahn, Weitsprung-, Diskus- und Kugelstoßanlage fertig.
1973 folgte die Turnhalle in der Schulstraße.
Für Ewald Schünemann waren das ideale Bedingungen, um Kindern den Sport nahezulegen. Zeit seines Lebens hat er besonders für die Leichtathletik geglüht – sieht man einmal von einem einjährigen Abstecher als Fußballtrainer für Kinder ab. Dass zum Athleten auch die Körperbeherrschung gehört, vermittelte er unter anderem rund vier Jahre lang als Übungsleiter beim Geräteturnen.
1957 begann unter seiner Leitung der Wettkampfbetrieb in Mechterstädt. Von Ewald Schünemann trainierte Sportler haben überall im Kreis, Bezirk und Land Spuren hinterlassen. Wer aus Mechterstädt antrat, mit dem musste ganz vorn gerechnet werden. Leistung wurde ohne Doping vollbracht –  sieht man einmal von den ungezählten Bockwürsten und Faßbrausen ab, mit denen der Trainer seine Sportler lockte und nach dem Wettkampf belohnte. Hinter den Kulissen hat Ewald Schünemann organisiert und Wettkampfberichte geschrieben. 53 Jahre lang war er Leiter der Abteilung Leichtathletik des Mechterstädter Sportvereins. In dieser Zeit reiste er mit den Talenten aus dem Ort und aus umliegenden Gemeinden zu Kinder- und Jugendspartakiaden, zu DDR-Meisterschaften nach Berlin oder nach Leipzig zum Deutschen Turn- und Sportfest.
2006 schied er aus dem aktiven Schuldienst aus, betreute danach aber noch 13 Jahre lang das Training. Als Pensionär liebt er die Gartenarbeit, fährt Rad, absolviert regelmäßig sportliche Leibesübungen und schaut, so oft er kann, auf den Sportplatz, der zurzeit umgestaltet wird. Dass dieser Platz auch künftig ein Treffpunkt des Sports in Mechterstädt sein wird, darüber ist er sehr froh und voll des Lobes über alle, die sich dafür tatkräftig einsetzen.
Ewald Schünemann hat dem Sport in Mechterstädt eine Heimat gegeben. Bis heute zehrt die Gemeinde von seiner Kraft und hält an seinem Wunsch fest, den Sport auch künftig hochzuhalten. Dafür verlieh ihm die Gemeinde am 9. September 2006 die Ehrenbürgerwürde.